GHE sorgt für Furore in Norwegen

Autor: Roland Gruber , 17.02.2014

Der norwegische Stromversorger Bekk og Strøm AS vertraut seit Jahren auf österreichische Turbinentechnologie. So auch im Fall des neuen Kraftwerks Lindåna im Südwesten des skandinavischen Landes.

Schon seit längerem behauptet sich der oberösterreichische Wasserkraftspezialist GHE (Global Hydro Energy) auf dem interessanten norwegischen Wasserkraftmarkt. Zahlreiche Kraftwerke im skandinavischen Königreich produzieren ihren Strom heute mit Turbinen aus Niederranna. Nun wurde im Südosten Norwegens, am Fluss Lindåna, vom regionalen Stromversorger Bekk og Strøm AS mit viel Aufwand ein neues Hochdruckkraftwerk realisiert, das im Jahr rund 4,7 GWh Strom ans Netz liefert. Der Auftrag über die elektromaschinelle Ausrüstung, bestehend aus einer vierdüsigen Peltonturbine und einem Synchrongenerator, und die Einlaufklappe wurde an GHE vergeben. Mit dem erfolgreichen Projekt in Süd-Norwegen stärkt der oberösterreichische Wasserkraftspezialist seinen exzellenten Ruf als kompetenter Partner in Skandinavien.

Die Provinz Aust-Agder, im Süden an der berühmten Skagerrak-Küste gelegen, zählt keineswegs zu den großen „Fylken“ Norwegens. Von seiner Landschaft her gehört es aber zu den vielfältigsten und reizvollsten. Kein Wunder, dass der Tourismus für die Provinz eine wichtige Rolle spielt. Doch dank seiner Topographie, der Berglandschaften, die von einer Vielzahl an Flüssen durchzogen wird, kommt noch einem anderen Wirtschaftszweig große Bedeutung zu: der Stromproduktion aus Wasserkraft. Rund 4.000 bis 4.500 GWh werden jährlich aus den zahlreichen Wasserkraftwerken unterschiedlichster Größe erzeugt. Von dieser Strommenge wird rund die Hälfte in andere Provinzen exportiert.
Völlig jungfräulich in Sachen Wasserkraft war bislang der Fluss Lindåna - ein Zubringer des Otra, des größten Flusses in Aust-Agder. Das heißt allerdings nicht, dass man nicht schon früher ein Auge auf das Gewässer geworfen hätte, um es eventuell hydroelektrisch zu nutzen. Bereits 1921 gab es erste
konkrete Pläne für ein Kraftwerk, dessen Umsetzung aber scheiterte. „Die Pläne aus den 1920er Jahren waren akkurat und sehr gut. Leider brachten damals die kalkulierten Kosten das Projekt zu Fall. Veranschlagt waren 20.000 Euro, das war für die Verhältnisse zu dieser Zeit zu teuer”, erzählt der Projektleiter Per Ivar Tengesdal. Damit verschwand das Projekt in der Schublade – und erst sehr viel später sollte es wieder aufgegriffen werden.


GROSSE RÜCKSICHT AUF DIE NATUR
Es waren die Urenkel der damaligen Kraftwerksplaner, denen heute noch die Grundstücke für das vorgesehene Kraftwerksareal gehören, die im Jahr 2000 einen neuen Anlauf wagten. Doch auch diese Initiative war nicht auf Anhieb erfolgreich. Zehn lange Jahre sollten vergehen, ehe die Behörden dem Kraftwerk Lindåna grünes Licht erteilten. Das Hauptkriterium bestand in erster Linie darin, das Projekt so umweltschonend wie möglich in die malerische Landschaft zu integrieren.
Tengesdal: „Das Kraftwerksareal liegt in einem Gebiet, das für seine breiten Möglichkeiten an Outdoor-Aktivitäten bekannt und beliebt ist. Es gibt hier zahlreiche Ferienhütten. Überdies spielte die schützenswerte Vegetation eine entscheidende Rolle.“
In Zusammenarbeit mit Bekk og Strøm wurde in der Folge ein Konzept ausgearbeitet, das letztlich von den Behörden als genehmigungsfähig eingestuft wurde. Mit dem Spatenstich im August 2010 konnte es schließlich losgehen. Die Bauarbeiten nahmen in der Folge schnell Fahrt auf – und noch vor dem Jahreswechsel konnte mit der Maschinenmontage begonnen werden, die von einem kompetenten Team der Bekk og Strøm übernommen wurde. Zehn Monate nach Baubeginn, im Juni letzten Jahres, wurde bereits Einweihung gefeiert.


UNSICHTBARE ROHRTRASSE
„Das Hauptkriterium war, dass wir das Bauvorhaben so natur- und landschaftsschonend wie möglich realisierten, ohne dabei den vorgegeben Budgetrahmen zu sprengen“, erklärt Tengesdal. Daher war es von zentraler Bedeutung, dass die 1.080 Meter lange Druckrohrleitung DN 900 zur Gänze unterirdisch verlegt wird. Die Vegetationsdecke wurde behutsam abgetragen, um sie nach Abschluss der Verlegearbeiten wieder aufzubringen, damit sich der ursprüngliche Bewuchs so schnell wie möglich wieder erholt.
Worauf darüber hinaus auch noch großer Wert gelegt wurde, war das Thema Lärmschutz. Damit die Naturliebhaber bei ihren Ausflügen von keinerlei Maschinenlärm gestört werden, mussten spezielle Schallschutzmaßnahmen getroffen werden. Dazu trägt unter anderem auch die Wahl eines hochwertigen Maschinensatzes ihren Teil bei. Ein Grund mehr, warum die Betreiber auf die Qualität des oberösterreichischen Wasserkraftspezialisten GHE zurückgriffen. Im Zusammenspiel mit einem Synchrongenerator des Linzer Qualitätsherstellers Hitzinger konnte sichergestellt werden, dass auch bei Volllast der Geräuschpegel in einem moderaten Bereich bleibt.


BEWÄHRTE KOOPERATION
Doch selbstredend war dies nicht das Hauptargument, warum die norwegischen Wasserkraftbetreiber auf die Kompetenz von Global Hydro Energy gesetzt hatten. Projektleiter Tengesdal: „Das von GHE angebotene Turbinendesign hat sich in vielen Kraftwerken in Norwegen bewährt, und das Preis-Leistungsverhältnis ist einfach ausgezeichnet. Wir blicken nun schon auf eine langjährige Zusammenarbeit mit GHE zurück – und waren einmal mehr sehr zufrieden.“ Übereinstimmend bestätigen Tengesdal und der Partner aus Niederranna, dass sich die Synergien aus der norwegisch-österreichischen Kooperation in Sachen Technologie und Knowhow als perfekt entpuppten.
Das Laufrad für die vierdüsige Peltonturbine, das im Werk Niederranna mittels 5-Achsen-Fräsmaschine aus einem Block gefertigt wurde, ist auf eine Nettofallhöhe von 126 Meter und ein Schluckvermögen von 1,35 m3/s ausgelegt. Die Maximalleistung der Turbine wird mit 1.486 kW angegeben. Der bürstenlose Synchrongenerator ist direkt mit dem Laufrad gekoppelt und wird über die gemeinsame Welle mit einer Nenndrehzahl von 500 U/min angetrieben. In Summe erzeugt der Maschinensatz im Regeljahr rund 4,7 GWh.
Mit dem erfolgreichen Projekt Lindåna setzt der oberösterreichische Wasserkraftspezialist seine Erfolgsstory in Skandinavien weiter fort. Speziell in Norwegen genießen die Turbinen von GHE höchste Wertschätzung – und das Unternehmen den Ruf eines zuverlässigen und kompetenten Partners. Kein Zweifel also, dass der weitere Wasserkraftausbau in Norge auch weiterhin auf Technologie „made in Austria“ bauen wird.

[veröffentlicht in zek 1-2012]

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